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Zwei Wege auf einem Schreibtisch visualisiert – Freelancer Laptop vs. Angestellter Laptop im Vergleich
Karriere & Bewerbung

Freelancer vs. Angestellter remote: Was passt wirklich zu dir?

RemoteDACH Redaktion24. Juni 202612 Min. Lesezeit

Freelancer oder Angestellter remote? Gehalt, Sicherheit, Freiheit, Steuern – der ehrliche Vergleich für Remote-Worker in Deutschland, Österreich und Schweiz.

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Remote-Arbeit gibt dir die Wahl: Du kannst als Angestellter remote arbeiten – oder als Freelancer. Beide Wege führen ins Home Office. Aber sie unterscheiden sich fundamental in Sicherheit, Einkommen, Freiheit und Risiko.

Dieser Guide hilft dir, die richtige Entscheidung zu treffen – ohne Romantisierung und ohne Angstmache.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Der Kernunterschied: Was bedeutet was?
  2. Gehalt: Was bleibt wirklich übrig?
  3. Sicherheit und Risiko
  4. Freiheit und Kontrolle
  5. Sozialversicherung: Der entscheidende Faktor
  6. Steuern: Wo bleibt mehr?
  7. Scheinselbstständigkeit: Die große Gefahr für Freelancer
  8. Wann Freelance besser ist
  9. Wann Angestellt besser ist
  10. FAQ

Der Kernunterschied: Was bedeutet was?

Angestellter Remote-Worker:

  • ●Fester Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen
  • ●Monatliches Fixgehalt + Zusatzleistungen
  • ●Arbeitgeber zahlt 50% der Sozialversicherung
  • ●Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung bei Krankheit
  • ●Weisungsgebunden (Aufgaben werden vom Arbeitgeber definiert)

Freelancer:

  • ●Selbstständiger Auftragnehmer für einen oder mehrere Auftraggeber
  • ●Stundenbasiertes oder projektbasiertes Honorar
  • ●Zahlt alle Sozialversicherungsbeiträge selbst
  • ●Kein Kündigungsschutz (Aufträge können enden)
  • ●Eigenverantwortlich für Aufgaben, Kunden, Akquise

Gehalt: Was bleibt wirklich übrig?

Das Bruttogehalt vs. Stundensatz direkt zu vergleichen führt in die Irre. Lass uns realistisch rechnen:

Angestellter (Beispiel: 70.000 € brutto)

PositionBetrag
Bruttogehalt70.000 €
Einkommenssteuer + Soli (~ 35%)-24.500 €
Arbeitnehmer-Sozialversicherung (~20%)-14.000 €
Netto-Einkommen~31.500 €
+ Arbeitgeberanteile (die du nicht siehst)~14.000 €

Plus Benefits: 28–30 Tage Urlaub, Krankheit, Betriebliche Altersvorsorge, Gerät gestellt.

Freelancer (Beispiel: 80 €/h, 220 Arbeitstage, 8h/Tag = 140.800 € Umsatz)

PositionBetrag
Brutto-Umsatz140.800 €
Nicht-fakturierbare Zeit (Akquise, Admin, ~25%)-35.200 €
Effektiver Umsatz105.600 €
Betriebsausgaben (Software, Büro, Versicherungen)-8.000 €
Gewinn97.600 €
Einkommenssteuer + Soli (~38%)-37.100 €
Krankenversicherung (privat, ~500–700 €/Monat)-7.200 €
Rentenversicherung (freiwillig, empfohlen)-5.000 €
Verbleibendes Einkommen~48.300 €

Fazit: Der Freelancer verdient mehr netto – aber braucht auch höheren Umsatz und trägt mehr Risiko. Gleichwertiger Vergleich: Angestellter mit 70k brutto ≈ Freelancer mit 80–100k € Jahresumsatz.


Sicherheit und Risiko

Angestellter

Monatliches Fixgehalt Lohnfortzahlung bei Krankheit (6 Wochen) Urlaub bezahlt Kündigungsschutz (Probezeit, Kündigungsfrist, ggf. Abfindung) Betriebliche Altersvorsorge möglich Abhängigkeit von einem Arbeitgeber Gehaltsverhandlung nur 1x/Jahr

Freelancer

Mehrere Auftraggeber = Risikodiversifikation Honorar kann schnell angepasst werden Kein Chef, der kündigen kann (nur Aufträge enden) Kein Umsatz = kein Einkommen Krankheit auf eigene Kosten Altersvorsorge komplett selbst Akquise-Risiko (was wenn keine neuen Aufträge?)


Freiheit und Kontrolle

Angestellter Remote-Worker:

  • ●Arbeitszeit: Oft Core-Hours, Überstunden werden erwartet
  • ●Aufgaben: Vom Arbeitgeber definiert
  • ●Tools: Vom Unternehmen vorgegeben
  • ●Urlaub: Abzustimmen, aber bezahlt

Freelancer:

  • ●Arbeitszeit: Du entscheidest (innerhalb von Projektdeadlines)
  • ●Aufgaben: Du nimmst an, was du willst
  • ●Tools: Frei wählbar
  • ●Urlaub: Jederzeit – aber unbezahlt

Sozialversicherung: Der entscheidende Faktor

Das ist für viele das entscheidende Argument:

Als Angestellter:

  • ●Rentenversicherung: 50% zahlt Arbeitgeber
  • ●Krankenversicherung: 50% zahlt Arbeitgeber (GKV)
  • ●Arbeitslosenversicherung: Inklusive Anspruch auf ALG I

Als Freelancer:

  • ●Rentenversicherung: Freiwillig (oder Pflicht für bestimmte Berufsgruppen)
  • ●Krankenversicherung: Voll selbst zahlen (GKV als Freiwilliger oder PKV)
  • ●Keine Arbeitslosenversicherung kein ALG I

Typische Freelancer-Sozialkosten: 700–1.200 €/Monat für KV + freiwillige Rente + ggf. BU-Versicherung.


Steuern: Wo bleibt mehr?

Freelancer-Vorteile:

  • ●Betriebsausgaben absetzbar (Laptop, Software, Co-Working, Reisen, Fortbildungen)
  • ●Steuerlast optimierbar (Investitionen in Betriebs-GmbH möglich)
  • ●Kleinunternehmerregelung (bis 22.000 € Umsatz: keine MwSt-Pflicht)

Angestellten-Vorteil:

  • ●Weniger Steuercompliance (keine USt-Erklärung, keine Gewerbesteuer)
  • ●Weniger Verwaltungsaufwand

Scheinselbstständigkeit: Die große Gefahr für Freelancer

Wer als Freelancer mit einem einzigen Auftraggeber arbeitet und dabei wie ein Angestellter eingebunden ist, riskiert Scheinselbstständigkeit.

Anzeichen für Scheinselbstständigkeit:

  • ●Du arbeitest ausschließlich (>5/6 des Umsatzes) für einen Auftraggeber
  • ●Du bist in den Betrieb integriert (eigenes Büro, Firmenlaptop, Firmenemail)
  • ●Du unterliegt Weisungen wie ein Angestellter (feste Arbeitszeiten, Anwesenheitspflicht)
  • ●Du nutzt Arbeitsmittel des Auftraggebers

Konsequenz: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil!) für bis zu 4 Jahre.


Wann Freelance besser ist

  • ●Du hast gefragte Skills und kannst 2–5 Auftraggeber bedienen
  • ●Du kannst mit Einkommensschwankungen umgehen (oder hast Rücklagen)
  • ●Du willst maximale Autonomie über Zeit und Aufgaben
  • ●Du planst ohnehin Workation oder häufige Ortsunabhängigkeit
  • ●Du willst von Steuervorteilen profitieren
  • ●Dein Stundensatz liegt deutlich über dem angestellten Äquivalent

Wann Angestellt besser ist

  • ●Du schätzt Planungssicherheit und Fixgehalt
  • ●Du hast Familie oder Verpflichtungen, die Stabilität erfordern
  • ●Du willst keine Zeit mit Akquise, Buchhaltung und Admin verbringen
  • ●Du bist am Anfang deiner Karriere (On-the-Job-Learning durch Team)
  • ●Du schätzt die Karriere-Entwicklung im Unternehmenskontext
  • ●Du willst Anspruch auf ALG I behalten

FAQ: Freelance vs. Angestellt remote

Kann ich beides kombinieren?

Ja – als Angestellter mit genehmigtem Nebenerwerb (Nebengewerbe). Dabei aber Steuer und mögliche Interessenskonflikte mit Arbeitgeber beachten.

Wie hoch sollte mein Stundensatz als Freelancer sein?

Faustformel: Angestellt-Jahresgehalt ÷ 1.000 = Mindest-Stundensatz. Bei 70.000 €: min. 70 €/h. In der Praxis braucht man 20–30% Puffer für nicht-fakturierbare Zeit.

Wann lohnt sich der Wechsel zu Freelance?

Wenn du gefragt bist (Kunden anfragen dich), dein Stundensatz-Äquivalent deutlich über deinem Angestellten-Gehalt liegt, und du mit Unsicherheit umgehen kannst.


Dein Weg – deine Entscheidung

Es gibt kein objektiv richtiges Modell. Beides funktioniert. Die Frage ist, welche Prioritäten du setzt: Sicherheit, Freiheit, Einkommen, Wachstum.

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