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Rechtliches & Versicherung

Homeoffice und Remote-Arbeit im EU-Ausland: A1, Sozialversicherung und Steuern 2026

RemoteDACH Redaktion11. Juni 20266 Min. Lesezeit

Homeoffice im EU-Ausland: Wann du eine A1-Bescheinigung brauchst, was der Arbeitgeber klären muss und wie die Regeln für Telearbeit im Wohnsitzland aussehen.

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Du willst zwei Monate von Lissabon aus arbeiten oder einen Winter in Barcelona verbringen, ohne deinen Job zu verlieren? Homeoffice im EU-Ausland ist in vielen Fällen möglich. Es hängt aber von drei Dingen ab: ob dein Arbeitgeber zustimmt, welches Sozialversicherungsrecht für dich gilt und ob dein Aufenthalt steuerliche Folgen hat.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was du mit dem Arbeitgeber klären musst
  2. Sozialversicherung und A1-Bescheinigung
  3. Telearbeit aus dem Wohnsitzland
  4. Steuern und Aufenthaltsdauer
  5. Betriebsstätte beim Arbeitgeber
  6. Aufenthalt außerhalb der EU
  7. Checkliste vor der Abreise
  8. Stellen für Remote-Arbeit aus dem Ausland
  9. Häufige Fragen

Was du mit dem Arbeitgeber klären musst

Eine Workation braucht in der Praxis die Zustimmung deines Arbeitgebers. Der Arbeitgeber ist betroffen, weil er Sozialversicherungsmeldungen abgibt und im Ausland steuerlich auffallen kann. Außerdem zählen Datenschutz und IT-Sicherheit.

So gehst du das Gespräch an:

  1. Frag im Team nach, ob andere ähnliche Wünsche haben. Das erleichtert das Gespräch.
  2. Mach einen konkreten Vorschlag mit Land, Zeitraum, Arbeitszeiten und Erreichbarkeit.
  3. Sprich die Sozialversicherung offen an. Der A1-Antrag liegt beim Arbeitgeber (siehe unten).
  4. Lass dir die Genehmigung schriftlich bestätigen. Mündliche Zusagen helfen dir im Streitfall wenig.

Sozialversicherung und A1-Bescheinigung

Die A1-Bescheinigung zeigt, welches Sozialversicherungsrecht für deine Arbeit im EU-Ausland gilt. Nach Darstellung der AOK kann eine Workation als Entsendung behandelt werden, wenn der Arbeitgeber der Tätigkeit im Ausland zustimmt und die A1-Bescheinigung beantragt. Ob das in jedem Fall gilt, ist nicht abschließend geklärt.

Wer stellt den Antrag?

Bei Angestellten stellt der Arbeitgeber den Antrag über sein Entgeltabrechnungsprogramm oder das SV-Meldeportal. Seit dem 1. Januar 2025 ist der elektronische Antrag vorgeschrieben, Papieranträge sind unzulässig (DRV). Selbstständige beantragen die Bescheinigung über das SV-Meldeportal, und die DRV empfiehlt dafür eine Registrierung per BundID.

Laut AOK ist ein Ausdruck nicht mehr nötig, die Bescheinigung kann digital ausgehändigt werden. Das beschreibt den Ablauf bei einer Entsendung. Den Antrag und die Zuständigkeit erklärt der A1-Guide.

Wie lange darf eine Entsendung dauern?

Innerhalb der EU liegt die Schwelle laut AOK bei 24 Monaten. Müssen Beschäftigte länger entsandt werden, kann eine Ausnahmevereinbarung beantragt werden. Der Antrag geht elektronisch an die DVKA, und die Beschäftigten müssen zustimmen. Eine Workation muss von Anfang an befristet sein und wird zwischen Arbeitgeber und Beschäftigtem für jeden Einsatz gesondert vereinbart (AOK). Für Workations von einigen Wochen spielt die 24-Monats-Grenze keine Rolle.

Telearbeit aus dem Wohnsitzland

Seit dem 1. Juli 2023 gibt es ein Rahmenübereinkommen zur grenzüberschreitenden Telearbeit. Es gilt nur für Arbeit im Wohnsitzstaat, nicht für Selbstständige. Es gibt zwei Schwellen: 25 und 50 Prozent der Arbeitszeit im Wohnsitzstaat.

Ohne dieses Übereinkommen gilt nach Art. 13 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 883/2004: Wer gewöhnlich in mehreren Staaten arbeitet, unterliegt dem Recht des Wohnstaats, wenn er dort einen wesentlichen Teil seiner Tätigkeit ausübt. Laut einem Fachbeitrag von Grant Thornton (23. September 2025) ist das der Fall, wenn dort mindestens 25 Prozent der Arbeitszeit oder des Entgelts erbracht werden. Maßgeblich ist eine Prognose für die kommenden zwölf Kalendermonate.

Anteil Telearbeit im WohnsitzstaatWas gilt
Unter 25 ProzentDu bleibst im Staat des Arbeitgebers versichert. Der Wohnsitzstaat sollte informiert werden.
25 bis 49,99 ProzentAuf Antrag mit Zustimmung von Arbeitgeber und Beschäftigtem, höchstens drei Jahre. Voraussetzung ist, dass beide Staaten das Übereinkommen unterzeichnet haben. Sonst gilt das Recht des Wohnsitzstaats.
50 Prozent und mehrDie Option entfällt. Es gilt das Recht des Wohnsitzstaats.

Eine Befreiung nach Art. 16 der Verordnung kann beantragt werden. Dafür müssen beide Staaten zustimmen (EURES). Die Tätigkeit muss außerdem sowohl in Fernarbeit als auch vor Ort erbracht werden (EURES).

Steuern und Aufenthaltsdauer

Steuern sind ein eigenes Thema. Wohnsitz, Aufenthaltsdauer und ein mögliches Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Zielland entscheiden darüber, wo du steuerlich erfasst wirst. Ob ein Aufenthalt steuerliche Folgen hat, erklären der Steuer-Guide für Remote-Worker und der Artikel zur 183-Tage-Regel.

Bei einem Aufenthalt von mehreren Wochen oder mehreren Ländern lohnt sich eine Beratung durch einen Steuerberater, bevor du buchst.

Betriebsstätte beim Arbeitgeber

Für den Arbeitgeber ist oft die Frage wichtig, ob im Ausland eine Betriebsstätte entstehen kann. Das hängt von Dauer, Umfang und Tätigkeit ab. Der Arbeitgeber kann das Risiko begrenzen, etwa durch eine Höchstdauer pro Land und die Dokumentation der Aufenthalte. Ob und welche Höchstdauer sinnvoll ist, klärt er mit seiner Steuerberatung. Du kannst das Gespräch vorbereiten, indem du Zeitraum und Tätigkeit genau beschreibst.

Aufenthalt außerhalb der EU

Außerhalb der EU richten sich Einreise, Visum und Aufenthalt nach den Regeln des Ziellandes. Die Regeln ändern sich, deshalb solltest du sie kurz vor der Buchung prüfen.

Die A1-Bescheinigung gilt nur für die EU, den EWR, die Schweiz und das Vereinigte Königreich (DRV, Stand 1. Januar 2026). Mit Staaten, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, etwa den USA oder China, gibt es eigene bilaterale Entsendebescheinigungen. Ohne Abkommen gibt es laut DRV generell keine Entsendebescheinigung. Dann muss der Arbeitgeber die Pflicht selbst prüfen. Auch die Sozialversicherung braucht dort eine eigene Klärung, und das ist ein Fall für die Beratung.

Checkliste vor der Abreise

  • ●Schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers mit Land und Zeitraum
  • ●Klärung, ob für den Aufenthalt eine A1-Bescheinigung nötig ist und wer sie beantragt
  • ●Prüfung, was deine Krankenversicherung im Ausland abdeckt. Einen Vergleich findest du auf der Seite Versicherung.
  • ●Klärung der Steuerfrage, passend zu Aufenthaltsdauer und Wohnsitz
  • ●Abstimmung mit der IT: VPN und Datenschutz für die Arbeit aus dem Ausland

Stellen für Remote-Arbeit aus dem Ausland

Nicht jeder Arbeitgeber erlaubt Arbeit aus dem Ausland. Lies bei jeder Stelle die Angaben zu Wohnsitz und Arbeitsort. In der Jobbörse findest du Remote-Stellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deutschsprachige Remote-Stellen listet die Seite deutschsprachige Remote-Jobs.

Häufige Fragen

Brauche ich für eine zweiwöchige Workation in Spanien eine A1-Bescheinigung?

Das hängt davon ab, ob der Aufenthalt als Entsendung gilt und ob du in dieser Zeit für deinen Arbeitgeber arbeitest. Frag vor der Reise beim Arbeitgeber nach. Er beantragt die A1 elektronisch. Die Regel der DRV, dass ein Antrag bei Reisen bis sieben Tage nachträglich gestellt werden kann, gilt für kurzzeitige Dienst- oder Geschäftsreisen und nicht für Workations.

Kann ich die A1-Bescheinigung selbst beantragen?

Bei einer Entsendung stellt der Arbeitgeber den Antrag. Grenzüberschreitend Tätige können ihn laut DRV auch selbst über die Ausfüllhilfe im SV-Meldeportal stellen. Selbstständige beantragen sie über das SV-Meldeportal. Details zum Ablauf stehen im A1-Guide.

Was passiert, wenn ich ohne A1-Bescheinigung im EU-Ausland arbeite?

Dann fehlt der Nachweis, welches Sozialversicherungsrecht für dich gilt. Die DRV regelt diesen Fall nicht ausdrücklich. Allgemein unterliegt man dem Sozialversicherungsrecht des Staates, in dem man erwerbstätig ist, und die A1 dient dem Nachweis, dass eine Ausnahme gilt. Frankreich, Österreich und die Schweiz kontrollieren laut DRV verstärkt. Ist die Bescheinigung bei Arbeitsbeginn noch nicht da, dient der Nachweis über den gestellten Antrag als Dokumentation. Diesen Nachweis erhältst du nach der elektronischen Antragstellung (DRV).

Gilt das Rahmenübereinkommen, wenn ich in einem anderen Land wohne als mein Arbeitgeber sitzt?

Nur wenn du im Wohnsitzstaat arbeitest und beide beteiligten Staaten das Übereinkommen unterzeichnet haben. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind seit dem 1. Juli 2023 dabei, ebenso Spanien, Portugal und Frankreich. Italien ist seit dem 1. Januar 2024 dabei. Dänemark und das Vereinigte Königreich gehören nicht dazu. Die aktuelle Liste der Unterzeichnerstaaten führt die belgische Sozialversicherung. Prüfe sie vor deiner Entscheidung.

Brauche ich einen Steuerberater?

Bei einem kurzen Aufenthalt reicht oft die Abstimmung mit dem Arbeitgeber. Bei mehreren Wochen, mehreren Ländern oder einem Umzug lohnt sich eine Beratung, weil Steuern und Sozialversicherung dann zusammenspielen.

Quellen

  • ●EURES, Portal der EU-Kommission: Grenzüberschreitende Telearbeit und Sozialversicherung. Rahmenübereinkommen seit 1. Juli 2023, Schwellen 25 und 50 Prozent, Antrag und Zustimmung, kein Geltungsbereich für Selbstständige, Befreiung nach Art. 16 nur mit Zustimmung beider Staaten. Veröffentlicht am 13. November 2023.
  • ●AOK, A1-Bescheinigung zur Entsendung: Entsendungen und Saisonkräfte. Schwelle 24 Monate, Ausnahmevereinbarung bei der DVKA, Antrag durch den Arbeitgeber, digitale Bescheinigung. Stand laut Seite: 01.01.2026.
  • ●AOK, Workation und grenzüberschreitende Telearbeit: Workation und grenzüberschreitende Telearbeit. Workation als Entsendung, befristete Vereinbarung, Ausnahme über die DVKA. Stand laut Seite: 01.01.2026.
  • ●Deutsche Rentenversicherung, FAQ zur A1-Bescheinigung: FAQ-Liste. Elektronischer Antrag, Dienstreisen bis sieben Tage, Kontrollen in Frankreich, Österreich und der Schweiz, Geltungsbereich. Stand laut Seite: 01.01.2026.
  • ●Belgische Sozialversicherung, Liste der Unterzeichnerstaaten des Rahmenübereinkommens: Cross-border telework. Ohne Datum auf der Seite.
  • ●Grant Thornton, Fachbeitrag vom 23. September 2025 zum EuGH und zur 25-Prozent-Grenze: EuGH festigt 25-Prozent-Grenze. Fachbeitrag, nicht das Urteil selbst.
  • ●Art. 13 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004, inoffizielle Fassung: gesetze.legal.

Die Rechtslage ändert sich. Bei einer konkreten Entscheidung kläre deinen Fall mit deiner Krankenkasse, deinem Arbeitgeber oder einem Steuerberater.

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