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Rechtliches & Versicherung

Steuern als Remote-Worker 2026: Wo zahlst du Steuern?

RemoteDACH Redaktion20. Mai 20267 Min. Lesezeit

Wo du als Remote-Worker Steuern zahlst: Wohnsitz, Arbeitsort und DBA für Deutschland, Österreich und die Schweiz, mit Rechtsquellen und Stand.

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Du zahlst in der Regel dort Steuern, wo du wohnst. Wer remote international arbeitet, muss zusätzlich klären, in welchem Land er tatsächlich arbeitet, denn auch das Arbeitsland kann Steuern auf den Lohn verlangen. Ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) legt dann fest, welcher Staat besteuern darf.

Dieser Überblick richtet sich an Angestellte und Selbstständige mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Er ersetzt keine Steuerberatung. Bei Auslandsaufenthalten, mehreren Ländern oder einem ausländischen Arbeitgeber lohnt sich eine Prüfung im Einzelfall.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt
  2. Wohnsitz in zwei Ländern
  3. Deutschland
  4. Österreich
  5. Schweiz
  6. Arbeitsort: Wann ein anderes Land mitbesteuert
  7. Wer darf den Lohn besteuern? Entscheidungstabelle
  8. Doppelbesteuerungsabkommen in Grundzügen
  9. Häufige Fragen

Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt: Wo du unbeschränkt steuerpflichtig bist

In Deutschland bist du unbeschränkt steuerpflichtig, wenn du hier einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hast (§ 1 Abs. 1 EStG). Einen Wohnsitz hast du dort, wo du eine Wohnung innehast, unter Umständen, die erkennen lassen, dass du sie behältst und nutzt (§ 8 AO). Gewöhnlicher Aufenthalt bedeutet, dass du dich nicht nur vorübergehend an einem Ort aufhältst (§ 9 AO).

Für den gewöhnlichen Aufenthalt gibt es eine klare Regel. Ein zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten in Deutschland gilt von Beginn an als gewöhnlicher Aufenthalt. Kurzfristige Unterbrechungen bleiben dabei außer Betracht (§ 9 Satz 2 AO). Hält sich jemand nur zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken hier auf und dauert der Aufenthalt nicht länger als ein Jahr, gilt die Sechs-Monats-Regel nicht (§ 9 Satz 3 AO).

Wohnsitz in zwei Ländern

Hast du in zwei Staaten eine Wohnung, entscheidet das OECD-Muster über den Wohnsitz nach einer festen Reihenfolge: zuerst die ständige Wohnstätte, dann der Mittelpunkt der Lebensinteressen, danach der gewöhnliche Aufenthalt und zuletzt die Staatsangehörigkeit. Lässt sich danach nichts entscheiden, klären die zuständigen Behörden den Fall gemeinsam (Art. 4 Abs. 2 OECD-Muster).

Art. 4 kommt nur zum Zug, wenn du nach dem Recht beider Staaten dort ansässig bist. Eine Wohnung zählt als ständige Wohnstätte, wenn du sie dauerhaft für dich eingerichtet hast und behältst. Ein Zimmer, das nur für kurze Reisen oder Kurse genutzt wird, reicht nach dem Kommentar zum Muster nicht aus (Kommentar zu Art. 4, Rn. 12 und 13).

Deutschland

Angestellte mit Wohnsitz in Deutschland versteuern ihren Lohn grundsätzlich hier, auch wenn der Arbeitgeber im Ausland sitzt. Ein anderes Land kommt nur ins Spiel, wenn du dort tatsächlich arbeitest.

Selbstständige mit Wohnsitz in Deutschland sind mit ihren Gewinnen ebenfalls hier steuerpflichtig. Ob deine Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ist, wirkt sich unter anderem auf die Gewerbesteuer aus. Die Abgrenzung erklärt der Artikel Freiberufliche Arbeit versteuern: Steuern als Freelancer.

Österreich

Wer in Österreich einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist dort unbeschränkt steuerpflichtig. Nach Angaben des Bundesministeriums für Finanzen tritt die Steuerpflicht nach sechs Monaten Aufenthalt in Österreich rückwirkend ein, also auch für die ersten Monate. Die Staatsbürgerschaft ist dafür nicht entscheidend (Stand der Seite: 1. Januar 2026).

Wer von Deutschland nach Österreich wechselt oder dort länger arbeitet, sollte Umzugstermin und Aufenthaltsdauer früh klären. Die Regeln im Detail beschreibt das BMF-Angebot zur persönlichen Steuerpflicht.

Schweiz

In der Schweiz gelten eigene Regeln, besonders für Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat dafür eine Länderseite zu Deutschland. Dort stehen Formulare wie die Ansässigkeitsbescheinigung Gre-1 und die Bescheinigung über Nichtrückkehrtage Gre-3.

Die Seite verweist außerdem auf Verständigungsvereinbarungen zur Nichtrückkehr nach Art. 15a des DBA und zu Arbeitstagen, die ganztägig am Wohnsitz verbracht werden. Für verbindliche Angaben zu Quellensteuer, Nichtrückkehrtagen und Homeoffice nennt sie das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Stand der Seite: 22. September 2026.

Arbeitsort: Wann ein anderes Land mitbesteuert

Nach Artikel 15 Absatz 1 des OECD-Musterabkommens darf das Land, in dem du tatsächlich arbeitest, den Lohn für diese Arbeit besteuern. Ausnahmen davon beschreibt die 183-Tage-Regel einfach erklärt.

Im OECD-Muster fehlt für Selbstständige ein eigener Artikel, weil Artikel 14 gestrichen ist. Ihre Gewinne beurteilt Artikel 7: Ohne Betriebsstätte im anderen Land dürfen nur Wohnsitzstaat besteuern. Das DBA Deutschland-Österreich enthält dagegen noch einen eigenen Artikel 14 zur selbständigen Arbeit (Fassung 24.08.2000). Prüfe bei deinem Gastland, ob das Abkommen einen solchen Artikel hat, und lies seinen Wortlaut.

Wer darf den Lohn besteuern? Entscheidungstabelle

Die Tabelle zeigt, welcher Staat nach dem OECD-Muster besteuern darf, wenn du remote im Ausland arbeitest. Maßgeblich bleibt der Text deines Abkommens. Ohne Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland bist du hier nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 EStG).

SituationWer darf den Lohn besteuern?Beleg
Wohnsitz in Deutschland, Arbeit in Deutschland, Arbeitgeber im AuslandDeutschland§ 1 Abs. 1 EStG, Art. 15 Abs. 1 OECD-Muster
Wohnsitz in Deutschland, Arbeit in Österreich, höchstens 183 Tage im Kalenderjahr, Arbeitgeber nicht in Österreich, keine Betriebsstätte, die den Lohn trägtNur Deutschland, sofern auch die übrigen Bedingungen im DBA erfüllt sindArt. 15 Abs. 2 DBA Österreich (Zählweise Kalenderjahr)
Wohnsitz in Deutschland, Arbeit im Ausland, mehr als 183 Tage nach der Zählweise des Abkommens oder Arbeitgeber im GastlandDas Gastland darf besteuern. Deutschland stellt den Lohn frei oder rechnet die ausländische Steuer an, je nach AbkommenArt. 15 Abs. 1 und 2 OECD-Muster, Einleitung Rn. 25
Wohnsitz in beiden StaatenDer Staat, in dem der Mittelpunkt der Lebensinteressen liegtArt. 4 Abs. 2 OECD-Muster

Doppelbesteuerungsabkommen in Grundzügen

Ein DBA ist ein Vertrag zwischen zwei Staaten, der festlegt, wer besteuern darf, damit dasselbe Einkommen nicht doppelt voll besteuert wird. Viele DBA folgen in den Grundzügen dem OECD-Musterabkommen, im Einzelfall weicht der Wortlaut ab. Maßgeblich ist immer der Text des jeweiligen Abkommens.

Nach dem Muster ist der Wohnsitzstaat verpflichtet, eine Doppelbesteuerung zu beseitigen. Dafür gibt es zwei Methoden:

  • ●Freistellung: Das Einkommen wird im anderen Staat besteuert und im Wohnsitzstaat freigestellt. Es kann aber den Steuersatz beeinflussen, mit dem der übrige Einkommensteil besteuert wird.
  • ●Anrechnung: Der Wohnsitzstaat besteuert das Einkommen, rechnet aber die im anderen Staat gezahlte Steuer an.

Welche Methode für dein Land gilt, steht im Abkommen.

Ausländischer Arbeitgeber: Details im eigenen Artikel

Arbeitest du aus Deutschland für einen Arbeitgeber im Ausland, kommen zusätzliche Fragen dazu, etwa zum Lohnabzug und zur Meldung. Die Details zu diesem Fall erklärt der Artikel Remote-Arbeit für einen ausländischen Arbeitgeber.

Sozialversicherung ist ein eigenes Thema

Artikel 15 regelt nur, welcher Staat den Lohn besteuern darf. Ob du in einem anderen Land sozialversichert bleibst, folgt eigenen Regeln. Für die Sozialversicherung im EU-Ausland helfen der A1-Guide und der Rechts-Guide zum Arbeiten aus dem EU-Ausland. Zur Krankenversicherung im Ausland gibt es den Artikel Krankenversicherung bei Remote-Arbeit im Ausland.

Häufige Fragen

Zahle ich Steuern in dem Land, in dem ich gerade arbeite?

Das hängt von Dauer und Bedingungen ab. Nach dem OECD-Muster bleibt der Wohnsitzstaat zuständig, wenn du dich höchstens 183 Tage in einem Zwölf-Monats-Zeitraum im anderen Land aufhältst und zwei weitere Bedingungen erfüllt sind. Das DBA Deutschland-Österreich zählt dagegen im Kalenderjahr. Die Einzelheiten stehen im Artikel zur 183-Tage-Regel.

Gilt das Gleiche für Freelancer?

Die Wohnsitzregeln gelten für alle gleich. Die Einordnung und die Gewinnermittlung erklärt der Artikel Freiberufliche Arbeit versteuern.

Quellen

Stand der Quellen: 11. Oktober 2026. Die Gesetzestexte wurden am selben Tag abgerufen.

  • ●OECD: Model Tax Convention on Income and on Capital, Condensed Version 2017. Einleitung Rn. 25, Art. 4 Abs. 2 (S. 30), Kommentar zu Art. 4, Rn. 12 und 13, Art. 7, Art. 14 (gestrichen), Art. 15 Abs. 1 und 2 (S. 38). Stand der Fassung: 2017. PDF
  • ●DBA Österreich, Art. 14 (Selbständige Arbeit) und Art. 15 (Unselbständige Arbeit), Fassung 24.08.2000: NWB, Art. 15 und NWB, Art. 14. Den Primärtext beim Bundesfinanzministerium konnte ich zum Abruf nicht öffnen.
  • ●Einkommensteuergesetz, § 1 Abs. 1: gesetze-im-internet.de
  • ●Abgabenordnung, § 8 (Wohnsitz): gesetze-im-internet.de
  • ●Abgabenordnung, § 9 (gewöhnlicher Aufenthalt): gesetze-im-internet.de
  • ●Bundesministerium für Finanzen (Österreich), Persönliche Steuerpflicht. Stand: 1. Januar 2026: bmf.gv.at
  • ●Eidgenössische Steuerverwaltung, Länderseite Deutschland (Grenzgänger). Stand: 22. September 2026: estv.admin.ch
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